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WF: Alex, wir danken Dir, dass Du so kurzfristig Zeit für uns gefunden hast. Sicherlich kommen derzeit viele Anfragen, da Du lange Zeit nicht zu erreichen warst..
Alex: Kein Problem. Ich mache gerne ein Interview mit Euch. Ich lese gerne in Euerer Website. Ich habe mich sehr gefreut, das es in Deutschland immer noch so viele Wrestling Interessierte gibt und hätte nie gedacht, das ich von so vielen E-mails überschüttet werde. Es ist wirklich schön zu sehen, das ich nach all den Jahren, immer noch sehr sehr viele Fans habe.
WF: Als 16 Jähriger feierte ein sehr junger Alex Wright sein Debüt in Wuppertal für die CWA. Denkst Du dass es evtl. nicht doch ein bisschen früh war, wann hast Du das Training mit Deinem Vater begonnen?
Alex: Nein, auf keinen Fall. Als junger Mensch lernt man viel leichter und man nimmt eher ein Risiko. Als ich ein Jahr alt war hat mich mein Vater schon mit in den Ring genommen. Mit ca. 3 Jahren hat er mir die ersten Griffe gezeigt.
WF: 9 Jahre standst Du unter einem Time Warner und WCW Vertrag. Welche Erinnerungen hast Du an die WCW, die Politik und dem Ende der Liga?
Alex: Es war nartürlich eine gewaltige Lebenserfahrung. Die erste Zeit in den USA war sehr schwer, im Privaten wie im Gechäftlichen. Im Privaten war es schwer, weil ich mit 18 Jahren allein in die USA ging, man aber erst mit 21 Jahren in den USA volljährig ist und ich mir eine Exsistenz schaffen musste. Ich hatte unglaubliche Probleme mit Behörden, Banken, Vermietern usw. Im Geschäftlichen war es schwer, da ich so jung und alle meine Kollegen über 30 Jahre alt waren. Zusätzlich war ich auch noch Deutscher war. Ich war mit Steve Regal der einzig Europäer in dieser Zeit. Ich musste mich gegenüber meinen Kollegen erst beweisen und mir Respekt verschaffen. Nach einem halben Jahr hatte ich ihren Respekt, da sie meine Kämpfe kannten und mein Talent sahen. Meine ersten Freunde waren Johnny B. Badd (Marc Mero), Sting, Marcus Bagwell, Ric Flair, Arn Anderson, Bobby Eaton, DDP, Steve Austin, HHH, Chris Benoit, Dean Malenko und Eddie Guerrero. Die ersten Jahre waren sehr schön in der WCW, die letzten Jahre und speziell kurz vor dem Ende der WCW, war die WCW durch und durch von der Backstagepolitik zerfressen, was dann auch zum Untergang der WCW führte.
WF: Wie wurde man als Deutscher Rookie in den Staaten, der WCW angenommen?
Alex: Bei der WCW sehr gut, nachdem sie meine Kämpfe und mein Talent schätzten. Bei 70 Prozent vom Publikum kam ich sehr gut an. Bei den restlichen 30 Pozent lag es leider wirklich daran, das ich Deutscher war.
WF: Hat man auch Dir Streiche gespielt, kannst Du uns einen erzählen?
Alex: Ja, man hat mir auch nette kleine Streiche gespielt. Ich muß aber zugeben, das ich auch anderen Streiche gespielt habe. In der Lockerroom gibt es eine Regel; wird einem ein kleiner Streich gespielt, dann bedeutet es, er ist akzeptiert und beliebt bei seinen Kollegen. Wenn aber einem ein großer und wirklich unangenehmer Streich gespielt wird, bedeutet dies, das er nicht akzepiert und nicht beliebt bei seinen Kollegen ist.
WF: Warum denkst Du, kam dass Berlyn Gimmik bei den Fans allgemein nicht so an, kannst Du uns etwas zur Entstehung des Gimmicks erzählen?
Alex: Ich glaube über diese Gimmik herrscht ein großer Irrtum. Diese Gimmik war vorallem in den USA sehr "over". Sogar die einschlägigen Wrestling-Magazine und Wrestlingwebseiten und auch die Fans, sagten das dieses Gimmik mit seinem Aufbau, Debüt und Profesionallität an jedes WWE Gimmik heranreicht. Dieses Gimmik war eine Gothik-Vampir Charaktäre. Vampiro und ich sollten sogar ein Tag Team bilden. Einige Fans wollten diese Gimmik aber in die "Rechte" Ecke schieben. Ein "Rechter" würde niemals mit einer Punk- Frisur und solchen Kleidern, wie ich damals an hatte, herumlaufen. Das Gimmik wurde wegen den Columbine Shooting in den USA gestoppt.
WF: Du hast Dein offizielles letztes Wrestling Match am 31. Mai 2003 bei der "Rock 'n' Wrestling Night 5" in Uelzen bestritten. Danach (offiziell) nicht mehr. Vermisst Du es nicht, vor Fans aufzutreten?
Alex: Doch. Natürlich vermisst man das. Vor allem nachdem ich ja mit dem Pro Wrestling aufgewachsen bin. Es war aber meine eigene Entscheidung, eine Auszeit zu nehmen, deswegen möchte ich mich jetzt nicht beschweren.
WF: Wie sah (D)ein Tag als WCW Worker denn aus?
Alex: Das ist so eine Frage, die sehr allgemein gestellt ist und man sie so fast nicht beantworten kann. Aber eines kann ich sagen, wenn man "on the road" war, war es sehr stressig und man bekam sehr wenig Schlaf.
WF: Du bist ehem. WCW Cruiserweight Champion, WCW World Television Champion und WCW World Tag Team Champion! Als einziger Deutscher hast Du es in der Welt des US Pro-Wrestling geschafft. Wie kamst Du zur WCW?
Alex: Mit 16 Jahren hatte ich meinen ersten Profi-Kampf. Ich war damals der jüngste europäische Wrester, deswegen wurde ich zweimal zu der Talkshow "Schreinemakers Live" eingeladen, wo ich den P.R.- Manager der WCW kennen lernte. Die WCW war zu dieser Zeit auf Deutschlandtour. So kam es, das der P.R.-Manager mich zu einer WCW Veranstaltung eingeladen hat. Da mein Vater schon sehr lange in diesem Beruf war, sagte er zu mir, ich solle meine Wrestling-Sachen mitnehmen, denn man weis nie was passiert. Und ich bin ihm heute noch dankbar dafür, denn wie es im Leben so kommt, waren einige WCW Wrestler verletzt und mir wurde ein Kampf angeboten. Nach diesem Kampf waren die Offiziellen und die Booker der WCW so beeindruckt von mir, das sie mich fragten, ob ich die restliche Deutschlandtour für sie ringen wollte. Also habe ich die restliche Tour für sie gerungen. Nach der Tour kam Ric Flair und Eric Bishoff zu mir und boten mir einen WCW Vertrag an. Den ich natürlich sofort angenommen habe.
WF: "Brakus" kam aus der Bodybuildingszene und wrestlete mitte der 90er für die WWE. Auch andere deutschsprachige Wrestler (Claudio Castagnoli, Chris Raaber) bestritten Tryout Matches für die WWE. Warum (denkst Du) scheitern immer wieder Verpflichtungen und warum ist es so schwer, in den Staaten als (Euro) Wrestler Fuss zu fassen?
Alex: Das kann viele Gründe haben. Es wäre von mir sehr unprofessionell darüber zu spekulieren.
WF: Wie ist es, mit Hulk Hogan zu arbeiten, wie ist er (Deiner Meinung nach) als Mensch? Gab es wirklich eine so starke Backstagepolitik der "Alten" wie Nash, Hogan und Co.?
Alex: Ja, es gab eine starke Backstagepolitik. Als Mensch war Hogan ein sehr ruhiger, netter und angenehmer Kollege.
WF: Was kannst Du uns über Eric Bischoff erzählen?
Alex: Am Anfang ein sehr schlauer Geschäftsmann. Am Ende der WCW nur noch ein Spielball der Top Top Stars. Er hat sich in den Sumpf der Backstagepolitik mithineinziehen lassen...
WF: Gab es nach dem Ende der WCW eine Option zur WWE zu wechseln, bzw. hättest Du es wahrgenommen fulltime für die Company anzutreten?
Alex: Die WWE ist zweimal an mich herangetreten. Ich konnte aber damals das Angebot nicht annehmen, da ich zu ausgebrannt war. Ich brauchte eine Auszeit.
WF: Was hat Alex Wright inzwischen gemacht?
Alex: Ich habe mich in Deutschland niedergelassen und ein Haus gebaut. In der letzten Zeit habe ich mich sehr viel mit meinem Projekt "The Wright Stuff" - Pro Wrestling School beschäftigt.
WF: Disco Inferno (Glenn Gilberti) hatte inzwischen einige Auftritte für die TNA. Er war Teil des WCW Teams "Dancing Fools". Hast Du Liga auch schon einmal verfolgt und gab es Deinerseits Überlegungen evtl. wieder im Pro-Wrestling als Aktiver Worker Fuss zu fassen?
Alex: Ich verfolge die WWE und die TNA. Es wird sicher eine Zeit geben in der ich wieder in den Ring zurückkehre. Momentan möchte ich mich aber voll auf die Pro Wresling School konzentrieren.
WF: Die Euroszene wird immer bekannter und beliebter. Die Zuschauerzahlen steigen und immer mehr Mainstream Wrestler treten im Deutschen Raum auf. Hast Du schonmal (ausser NAWA) eine Euroshow besucht, bzw. hast Du es vor?
Alex: Ich freue mich sehr über das wachsende Interesse am Wrestlingsport in Deutschland und Europa. Natürlich war ich früher permanent bei der CWA anwesend. Wenn mir es zeitlich möglich ist, werde ich sicher ein paar Veranstaltungen besuchen.
WF: Am 19. Mai findet in Roth (bei Nürnberg) die zweite GWP Show statt. Hast Du davon gehört und besteht grundsätzlich Interesse an Euroshows?
Alex: Ja, ich habe davon gehört. Ich muß sagen, die Jungs von der GWP machen wirklich eine gute Arbeit.
WF: Welche Idole hattest (hast) Du neben Deinem Vater gehabt und was hat Dir so an ihnen gefallen?
Alex: Ric Flair. Er ist ein super Wrestler und ein absoluter Entertainer.
WF: Dein Vater wrestlete ja über 26 Jahre...
Alex: Stimmt genau. Einer der Besten die es je gab.
WF: Es gibt immer noch viele, die sagen "Wrestling ist Show". Wie würde ein Profiwrestler, wie Du es bist, diesen Kommentar beantworten?
Alex: Es ist Sportentertainment. Als Pro Wrestler mußt Du ein Multitalent sein, d. h. man muß ein hochleistungs Extremsportler und Entertainer in Einem sein. Ohne Entertainment keine Zuschauer, wie bei jeder anderen Profi Sportart auch.
WF: Painkiller, andere Medikamente sind nicht selten Grund dafür, dass viele Wrestler zu früh von uns gegangen sind. Natürlich liegt dass auch am Ermessen des jeweiligen selber, was die Menge der Einnahme betrifft. Man steht über 300 Tage im Ring, steckt einige Bumps ein und der Körper zollt nach Jahren nicht selten seinen Tribut. Auch in der WCW gab es sicherlich einige Worker, die ohne Schmerzmittel sicherlich kaum auftreten konnten. Denkst Du, es ist nur gut, regelmässig Drogentests durchzuführen und Leute zu suspendieren und sieht man es den Leuten nicht an, wenn sie nicht fit sind?
Alex: Wenn jemand ein Herzkreislauf-Problem hat, muss man das ihm nicht unbedingt ansehen. Drogentests sind nur sinnvoll, wenn sie für jeden gelten.
WF: Was kannst Du uns denn über Scott Hall erzählen?
Alex: Ich kenne Scott Hall schon seit ich 8 Jahre alt bin, er hat damals für die CWA gerungen.
WF: Welchen Einfluss hatte die nWo auf deine (WCW) Karriere?
Alex: Die nWo Storyline hat auf jede Charaktäre negativ Einfuss genommen, die nicht in dieser Storyline miteingebunden war. Für mich (Karriere) wäre es wahrscheinlich besser gewesen, es hätte diese Storyline nicht gegeben. Dennoch bin ich der Ansicht, das die nWo Storyline eine super Storyline war und der WCW nichts besseres passieren hätte können. Man muß immer das große Bild betrachten. Leider gibt es in diesem Business viel zu viele "Einzelkämpfer", die eben nicht das große Bild betrachten, sondern sich nur auf Ihre Karriere konzentrieren.
WF: Dein Vater (Steve Wright) wurde neben den British Bulldogs von Mr. Ted Betley trainiert. Wie geht es Deinem Vater heute und hattest Du noch die Chance, einen der Bulldogs kennenzulernen?
Alex: Meinem Vater geht es gut. Ich hatte einige tolle Kämpfe gegen Davey Boy Smith. Leider ist er viel zu früh von uns gegangen.
WF: Verfolgst Du ab und zu noch das US Wrestling?
Alex: Na klar, ich will doch meine Freunde und ehemaligen Kollegen sehen.
WF: OK, Alex, dass waren viele Fragen zu Deiner (WCW) Vergangenheit, die wir Dir leider bisher nie stellen konnten...
Alex: Aber jetzt hat es ja doch noch geklappt. LOL
WF: Schauen wir in die Zukunft, es gibt eine Wrestlingschule in Nürnberg, die von Dir geführt wird und wo man von Dir persönlich trainiert werden kann...
Alex: Das stimmt. Gestern ist die offizielle Internetpräsenz von "The Wright Stuff" - Pro Wrestling School Online gegangen. Wenn man Infos zum Training oder über mich wissen möchte, kann man sich unter
www.prowrestlingschool.de
genau informieren.
WF: Erzähle uns doch bitte etwas über die Idee und Entstehung dieser grossartigen Option für die (evtl.) zukünftigen Wrestler:
Alex: Es war schon immer mein Traum dem am Wrestling Interessierten, eine Möglichkeit auf eine solide und fachgerechte Ausbildung zum Pro Wrestler zu bieten. Deswegen habe ich auch "The Wright Stuff" - Pro Wrestling School ins Leben gerufen. Ich möchte gerne die Zukunft des deutschen (europäischen) Pro Wrestlings positiv beeinflußen.
WF: Du hast einmal gesagt, dass es nicht schlecht ist, einen Kampfsporthintergrund zu haben, wenn man zum Pro-Wrestling übertreten möchte. Welches Alter wäre denn dass Ideale?
Alex: Es kommt immer auf den Einzelnen an, ob er sich für das Training eignet oder nicht. Wenn man einen kompetenten Trainer hat, dann kann man ab ca. 12 Jahren mit dem Training anfangen. Wie gesagt, Voraussetzung ist aber hierfür, das man in einer seriöse Pro Wrestling School trainiert wird. Vorkenntisse sind gut, aber keine Voraussetzung.
WF: Wird man auch Alex Wright wieder zu sehen bekommen, evtl. als Manager oder Wrestler mit oder gegen einen seiner Schüler?
Alex: Ich bin noch zu jung um als Manager aufzutreten. Als Wrestler kann ich es mir durchaus vorstellen wieder in das Rampenlicht zu treten.
WF: Wir danken Dir sehr!
Alex: Ich danke auch, für das Interview.
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DXMEMBER für © WrestlingFever.de | 2007
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