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WF: Sehr geehrter Herr Stach, zuerst einmal vielen Dank, dass Sie sich für WrestlingFever Zeit genommen haben...
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Stach: Hallo, kein Problem, mache ich gerne!
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| Wolfgang Stach & DXMEMBER |
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WF: Am 07.09.2007 veröffentlichten Sie die Meldung, die einige Leser der
"Powerwrestling" überrascht hat. Neben der Power-Wrestling, "Ringside" möchten
Sie sich nun auch dem Objekt "WWE Magazin" widmen?
Stach: Ich kann mir gut vorstellen, daß dies sehr viele überrascht hat.
Nicht zuletzt auch deswegen, weil es ja kein Geheimnis ist, daß das Verhältnis
von PW und der WWE bis Oktober 1998 recht angespannt war. Damals konnte ich mit
Linda McMahon alles klären, und seitdem ist das Verhältnis zwischen uns immer
besser geworden, was sich ja auch daran zeigte, daß wir die Fanfeste bei den
Touren machen durften. Dieses sehr gute Verhältnis war dann sicherlich auch
einer der mitausschlaggebenden Gründe, warum wir gegen durchaus starke
Konkurrenz den Zuschlag für das WWE-Magazin erhielten.
WF: Das offizielle, deutschsprachige WWF (WWE) Magazin erschien erstmals im
September 1992 und es existierte bis zum letzten Quartal 2000. Viele Kritiker
sahen dieses Magazin eher als "Mark-Magazin ohne Unterhaltungswert". In der Tat
beschäftigte sich das Magazin nur mit Storylines ohne nur ansatzweise eine
gewissen (wahren) Informationsgehalt zu bieten. Was wird der Unterschied
zwischen dem klassischen und dem neuen WWE Magazin sein? Gibt es gewisse
Vorlagen, oder dürfen Sie "frei" berichten?
Stach: Während das WWE-Magazin früher ja eine reine 1:1-Übersetzung war,
wird es diesmal auch einen deutschen Inhalt geben, für den wir verantwortlich
zeichnen, wobei dieser stets mit der WWE abgestimmt wird. Auch ist der
Informationscharakter des Heftes deutlich höher als früher.
WF: Die "Powerwrestling" konnte sich in den letzten Jahren behaupten.
Gerade 2000 erlebte Deutschland einen erneuten Wrestlingboom und zahlreiche
Magazine erschienen um dann still wieder zu verschwinden. Wie erklären Sie sich
den Erfolg, wenn man bedenkt, dass auch das Internet manche Inhalte vorweg
nimmt?
Stach: Ich glaube, einer der großen Vorteile von PW ist der doch recht
persönlich gehaltene Stil. Auch wird das Internet insgesamt doch sehr
überschätzt. Es gibt noch immer sehr viele Wrestlingfans, die das Internet nicht
nutzen oder wenn, dann nicht unbedingt für das Wrestling. Das erleben wir immer
wieder an den Reaktionen auf Sachen, die manchmal schon zwei Wochen vorher im
Internet standen. Positiv kommen sicherlich auch die Interviews an, die man so
meist doch nicht im Internet findet, besonders wenn man an die mit dem Sandman
denkt, doch auch manche andere. Sicherlich gibt es auch dort manchmal
Enttäuschungen, wie etwa das mit Scott Steiner, aber das ist zum Glück doch die
Ausnahme. Darüber hinaus sind Hefte sehr gut zur Archivierung geeignet, und sie
haben den Vorteil, daß sie auch Bilder beeinhalten, was im Internet doch nicht
mmer gegeben ist. Und last but not least haben wir das Heft ja von der aktuellen
Information etwas dahingehend abgeändert, daß wir Hintergrundberichte bringen,
Rückblicke usw.
WF: Wie denken Sie über diverse Internetseiten? Finden Sie, dass diese der
Wrestlingszene schaden? Manche Storylines, Verpflichtungen und Ergebnisse
erscheinen bereits Tage vor den Events. Sollte man "Sicherheitslücken" in den
versch. Companys bestrafen?
Stach: Ich glaube nicht, daß sie der Wrestlingszene schaden, wenn sie
zumindest einigermaßen professionell geführt werden. Vor allem tummeln sich auch
die sog. smart marks in erster Linie auf diesen Seiten. Die meisten normalen
Fans, die immer gerne als marks abqualifiziert werden, obwohl es ohne sie das
Wrestlingbusiness überhaupt nicht geben würde, gehen eher auf wwe.com als auf
die Seiten des Observers, des Torch oder Figure Four. Was ich - inzwischen -
ablehne, ist, daß manche Seiten meinen, auch das letzte bißchen Privatleben der
Wrestler der Öffentlichkeit mitteilen zu müssen. Dadurch wird nämlich bei vielen
Fans sämtliche Illusion zerstört, mit der Folge, daß manche sich vom Wrestling
abwenden!
Schlimm wird es, wenn irgendwelche Webseitenbetreiber kein
Verantwortungsbewußtsein haben. Um einen konkreten Fall zu nennen: Als Premiere
und die WWE nach vielen Jahren der Fernsehabstinenz endlich wieder einen Vertrag
ausgehandelt hatten, hatte die WWE Premiere Superkonditionen für die ersten
PPV-Ausstrahlungen eingeräumt, da niemand wußte, ob dieses Angebot in
Deutschland überhaupt angenommen wird. Die WWE wollte unbedingt ins deutsche
Fernsehen, aber Premiere wollte auch kein zu hohes finanzielles Risiko eingehen.
Ich wußte von dem Deal, beide Seiten baten mich, aber nichts davon zu
veröffentlichen, da Sky große Probleme hätte machen können, wenn sie von den
Konditionen gewußt hätten, da diese zuerst doch deutlich unter dem lag, was Sky
bezahlen mußte. Prompt meinte aber eine deutsche Seite, die das durch Zufall
auch erfuhr, da jemand aus einer Nebenanteilung von Premiere den Mund nicht
halten konnte, dies veröffentlichen zu müssen. Ich bekam das durch Zufall direkt
mit und rief den Betreiber dieser Seite direkt an, erklärte ihm den Hintergrund
und bat ihn, diese Meldung doch bitte wieder vom Newsboard und aus dem Forum zu
nehmen - was natürlich NICHT geschah! Dadurch bestand die große Gefahr, daß der
ganze Deal doch noch hätte platzen können, was aber glücklicherweise dann doch
nicht geschah. ZWar bekam die WWE dadurch einige probleme, doch konnte alles
wieder ausgeräumt werden.
Deartige Sachen schaden dem Wrestling, aber nicht irgendwelche Gerüchte
über einen möglichen Titelwechsel. Es ist gut, daß auch Fans Wrestlingseiten
betreiben und nicht nur Personen, die professionell mit dem Wrestling verbunden
sind. Allerdings sollten sie dann auch Verantwortungsbewußtsein zeigen und nicht
über alles berichten, was sie wissen, wenn die Gefahr besteht, daß es der Sache
schadet!
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| Oliver Copp & DXMEMBER |
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WF: Mit Oliver Copp (TNA und UFC Kommentator) steht Ihnen ein "texanischer"
Kollege zur Seite, der auch manchen älteren Wrestling und MMA Fans ein Begriff sein
dürfte. Denken Sie, dass die WWE erneut eine Konkurrenz (wie damals WCW)
benötigen könnte?
Stach: Konkurrenz ist immer gut. Es hat sich in der Vergangenheit gezeigt,
daß die besten Ideen dann geboren wurden, weil man besser als der andere sein
wollte. Hätte es die NWO gegeben, wenn die WWE schon damals ein Monopol gehabt
hätte? Ich glaube nicht! Vince hat sicherlich versucht, die Kreativität dennoch
immer auf einem Spitzenlevel zu halten, doch hatte man vielleicht dennoch ab und
zu mal Angst, etwas könne nicht einschlagen, also ging man das Risiko nicht ein.
Ud in der Vergangenheit hat sich oftmals gezeigt, daß gerade Sachen, über die
man sich nicht so sicher war, hervorragend einschlugen. So bin ich mir auch
nicht sicher, ob die WWE seinerzeit das Steve Austin-Gimmick geschaffen hätte,
hätte es nicht die damals sehr starke Konkurrenz der WCW gegeben. TNA hätte alle
Möglichkeiten, eine ernsthafte Konkurrenz zur WWE zu werden, allerdings müßten
sie sich mehr unterscheiden. Der senerzeitige Erfolg der WCW beruhte darauf,
daß, wenn jemand durch die Kanäle zappte, er sofort erkannte, daß WCW und die
damalige WWF zwei total unterschiedliche Produkte waren. Heute versucht TNA
aber, eine bessere WWE zu sein, anstatt darauf zu setzen, einen eigenen Weg zu
gehen, der sie von der WWE völlig unterscheidet. Nur ein anderer Ring reicht
dazu nicht aus.
WF: Sicherlich verfolgen Sie auch die TNA. Sehen sie Potential, bzw. einen
möglichen Quotengegner für die WWE?
Stach: Das Potential und die Wrestler hat TNA. Schaffen Sie, einen
eigenen Weg zu kreieren, der sich deutlich von der WWE unterscheidet, könnte es
auch diesmal wieder einen Ratingskrieg geben.
WF: Als langjähriger Verfloger der Szene und Leser der Powerwrestling,
weiss ich und zahlreiche andere Leser von ihrem guten, freundschaftlichen
Kontakt zur kanadischen Hart Familie. Sicherlich kannten Sie auch Chris Benoit
und verfolgten aufmerksam die Geschehnisse und auch die versch. Berichte in den
Medien. Mit Benoit hat die Welt einen der besten, technsich versierten Wrestler
verloren. Wie denken Sie über die Tragödie und wie wird Ihnen Chris in
Erinnerung bleiben?
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| Das erste Deutsche WWE Magazin erschien am 19.10.2007 |
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Stach: Ich kann nur das wiederholen, was ich schon im Heft schrieb, daß
Chris nämlich ein psychisch sehr kranker Mensch war, der nicht er selbst war,
als er diese furchtbare Tat beging. Obwohl ich das sicherlich nicht aus meinem
Gedächtnis streichen kann, überwiegen bei mir aber die positiven Gedanken an
Chris, sowohl was den privaten Chris Benoit anbelangt, als auch besonders den
Wrestler. Ich lehne zwar ab, was er tat, und kann das noch immer nicht so
richtig begreifen, aber ich bin sicher: Ein gesunder Chris Benoit hätte das
niemals getan!
WF: Das Wellness Programm steht neben der Benoit Tragödie im Moment im
Vordergrund in den internationalen Medien. Es erinnert stark an den Skandal in
den 90ern. Denken Sie, dass die WWE daraus gelernt hat?
Stach: Der WWE wird nichts anderes übrig bleiben, als daraus zu lernen. Und
sie werden mit Sicherheit gegenzusteuern versuchen. Ich bezweifel aber, daß alle
Wrestler sich daran halten werden. Meiner Meinung nach werden einige auch
weierhin alles versuchen, um die Einnahme dieses ganzen Teufelszeugs zu tarnen
und nicht auffliegen zu lassen. Das war in der Vergangenheit stets so, und ich
glaube nicht, daß es jetzt anders sein wird!
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| "Chyna" mit Wolfgang Stach |
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WF: Viele Kritiker zweifeln am Wellness Programm. Bisher konnte WWE nicht
offenlegen, wie diese Tests durchgeführt werden. Wie, denken Sie, kommen diverse
Medien an Listen, die (offensichtlich) ausführlich Käufer und Substanzen
auflistet, die wenig später teilweise von WWE bestätigt werden und dem US
Kongress bisher vorenthalten wurden? Sicherlich wirft dies ein schlechtes Bild
auf WWE..
Stach: Ich bin mittlerweile über 25 Jahre Journalist, davon habe ich ja
sehr viele Jahre bei einer Nachrichtenagentur verbracht und mache auch heute
noch Börsenjournalismus. Da habe ich sehr schnell festgestellt, daß es so gut
wie nichts gibt, das nicht über kurz oder lang an die Öffentlichkeit kommt. Es
wird sicherlich dauern, bis man es der WWE abnimmt, eine wirkliche
Antidrogenpolitik zu fahren - nur bleibt ihr m.E. nichts anderes übrig.
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| Owen`s Familie mit Wolfgang Stach (1994) |
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WF: Die Suspendierungen, die auch Topstars betreffen, schaden der Company
aber auch der Szene im allgemeinen. Hätte man evtl. schon früher regelmässige
und "härtere" Tests einführen können. Gerade nach den Erfahrungswerten aus den
90ern? Ich denke an viele Wrestler, die nicht einmal 40 Jahre alt wurden, wo man
sicherlich teilweise die Notbremse ziehen hätte können. Beispielsweise Guerrero,
der für seinen Konsum bekannt war und (angeblich) 2 Wochen vor seinem Tod noch
Bestellungen gemacht hatte. Regelmässige Tests wären sicherlich sinnvoll..
Stach: Das Problem war in der Vergangenheit, daß die Öffentlichkeit nach
einigen Wochen oder Monaten der Empörung wieder zur Tagesordnung überging. Das
verleitete dann natürlich dazu, die Zügel wieder schleifen zu lassen. Ich hoffe
aber, daß dies diesmal anders sein wird. Allerdings kann auch das beste
Antidrogenprogramm der WWE nicht wirklich wirken, wenn die Jungs nicht mitmachen
und meinen, durch irgendwelche Tricks ihre Steroid- und/oder sonstige
Drogeneinnahme verschleiern zu können. Und leider wird es diese Leute immer
geben, wie man ja auch jetzt bei der Tour de France sah. Jeder Fahrer wußte, daß
dort extrem streng kontrolliert wird, und dennoch flogen sehr viele auf! Da
fragt man sich wirklcih, wie dumm diese Leute sein müssen. Und ich will weder
bei der WWE noch bei TNA ausschließen, daß dort manche Wrestler auch so denken.
Das Problem ist also weniger die Promotion selbst, sondern der einzelne
Wrestler! Schon heute wird niemand gezwungen, dieses Teufelszeugs einzunehmen,
und gibt es genügend Beispiele, wo es Leute auch ohne Steroide geschafft haben,
nach ganz oben zu kommen!
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Powerwrestling: Christian Bruns, W. Stach, M. Holzer und Oliver Copp
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WF: Herr Stach, wir danken Ihnen herzlich für dieses Interview und wünschen
Ihnen und Ihren Projekten alles erdenklich gute!
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